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VOM INTERNET ZUM OUTERNET

Das Internet explodiert in die reale Welt

Von Torsten Rehder, Director Knowledge TrendONE Hamburg

Unter dem Stichwort Outernet bahnt sich eine technologische Entwicklung an, die unser Verhältnis zueinander und zu den uns umgebenden Informationen und Objekten tiefgreifend verändern wird. Das Internet verlässt den bislang abgetrennten Bereich des Cyberspace und legt sich wie eine zusätzliche Schicht über unsere Umwelt. Die Möglichkeiten, die wir aus dem stationären Internet kennen – Verlinkung, Suchfunktion, Personalisierung und Interaktion – übertragen sich in unseren mobilen Alltag. Dadurch entsteht eine neue Dimension der Wahrnehmung, in der sich Virtualität und Realität vermischen. Wir sind always on und always connected.

Wenn Umweltfaktoren, wie z.B. Standorte, Umgebungsgeräusche oder reale Objekte (Autos, Plakatwände oder die einfahrende S-Bahn) von intelligenten mobilen Endgeräten automatisch wahrgenommen und interpretiert werden können, werden sie zu sozialen Sensoren. Soziale Sensoren spüren soziale Strukturen auf und werden somit zu Indikatoren unserer vernetzten Welt. Durch sie treten Menschen, Objekte und Informationen in eine neue Beziehung zueinander, zum Beispiel indem sich um physische Orte ultralokale Gemeinschaften bilden.

In diesen ortsabhängigen Netzwerken werden kontextrelevante Informationen und digitale Inhalte ausgetauscht. Ein gutes Beispiel hierfür sind digital zusammengestellte Music-Playlists, die etwa an realen Orten für Freunde und Fans hinterlassen werden können und somit mit einem spezifischen Kontext verknüpft werden. Mit der mobilen Applikation Wahwah.fm hören Nutzer z.B. nicht nur ihre Lieblingsmusik, sondern teilen diese auch in Echtzeit mit anderen. Sie können ihre Playlists Freunden und anderen Nutzern des Services zur Verfügung stellen, sofern diese sich in der Nähe befinden – es kommt zum Ultra Local File Sharing. "MusicIsLifeIsMusic" ist ein weiteres Beispiel einer innovativen Plattform in diesem Bereich. Dort können Nutzer auf einer digitalen Landkarte Songs mit Orten verknüpfen und dadurch eine Geschichte erzählen, die sie wiederum mit Freunden teilen können. Reale Orte werden durch Musik emotional aufgeladen.

In der Zukunft sind weitere Szenarien denkbar: Beatles-Fans etwa, die im „Beatles-Modus“ durch Liverpool schlendern und mithilfe der Augmented Reality-Technologie die Umwelt durch den gleichen Filter wahrnehmen. Je nachdem, welche Interessen und Bedürfnisse wir haben, werden zusätzliche Informationen in unserer Umwelt sichtbar. Die Interessengemeinschaft der Beatles-Fans wird damit zu einer Wahrnehmungsgemeinschaft an realen Schauplätzen. Es entsteht eine sogenannte Ambient Intimacy – das Gefühl, sich Personen nah zu fühlen und mit ihnen in Echtzeit Erlebnisse zu teilen, obwohl sie sich an einem anderen Ort befinden. Ein wichtiger Aspekt bei Sozialen Medien, der von Facebook, Foursquare & Co. bereits erfolgreich bedient wird.

Im Outernet können aber nicht nur die Bereitstellung von Informationen und digitalen Inhalten dem jeweiligen Kontext des Users (Zeit, Ort, Stimmung, Social Graph etc.) angepasst werden, sondern auch die Erzählstrukturen von Unterhaltungsformaten. So kann etwa bereits bei Formaten wie der Fernseh-Dokumentation "The Parkman Murder" der User aktiv den Handlungsverlauf der Story durch Aktivitäten in der realen Welt beeinflussen und wird dadurch zum Bestandteil der Geschichte. Mit dem iPhone kann er selbst an der Aufklärung des Falls partizipieren, indem er in Boston Originalschauplätze besucht und Indizien aufspürt. Der User wird zum Jäger der Story und somit zum Storyhunter.

Im Internet – oder genauer gesagt: im Web 2.0 – geht es primär um die Vernetzung von Menschen. Im Outernet erweitert sich dieses Spektrum um drei Dimensionen, die bislang wenig bis gar keine Berücksichtigung gefunden haben. Hier gilt nun die unumgängliche Formel PTPT – People, Things, Places und Time.

Für die Unterhaltungsformate der Zukunft bedeutet die Entwicklung vom Internet zum Outernet, dass neben den Menschen als Rezipienten also drei weitere Dimensionen beachtet und konzeptionell integriert werden müssen. Nur wenn die vier Dimensionen – Menschen, Dinge, Ort und Zeit – sinnvoll miteinander verknüpft und in Unterhaltungsformaten und -produkten aufgegriffen werden, sind sie auch Outernet-kompatibel und somit fit für diese nächste sich abzeichnende Evolutionsstufe des Internets.

Torsten Rehder, Director Knowledge TrendONE Hamburg; Rechte: TrendOne GmbH, Hamburg

Unser Gastautor
Torsten Rehder, Director Knowledge TrendONE Hamburg

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